"Gott ist nie schwach. Denn wie sein Wille Tat ist und Welt heißt, so ist auch sein Beschluß das Heil der Menschen und heißt Kirche." Aus: Odo CASEL, Die Liturgie als Mysterienfeier (Ecclesia Orans 9), dritte bis fünfte Auflage, Freiburg i. Br. 1923, 53.
"Sie [die liturgische Gebetshaltung] will nicht eigenherrlich formen, sondern selbsvergessen dienen." Romano GUARDINI: Liturgie und liturgische Bildung, erste (Gesamt-Buch-)Auflage, Würzburg 1966, 104.

Über den Gruß Ite, Missa est und die Himmelfahrt Christi

Ad hæc Amalar. Fortun. Lib. 3. de Eccclesiast. offic. c. 36. Deinde, inquit, revertitur ad Orientem, ut se commendet Domini Ascensioni, dicitque Diaconus, Ite Missa est. Singularis etenim legatio Christi missa est pro nobis ad Patrẽ, habens judicia suæ secum Passionis. Et posteà. * O utinam, quando audivimus à Diacono, ite, Missa est, mens nostra ad illlam patriam tendat, quò caput nostrum præcessit; ut ibi simus desiderio, ubi desideratus cunctis gentibus nos expectat cum suo trophæo. Steph. Euduensis. De Sacrament. alt. c. 18. Hac salutatione, Ite, Missa est, monentur adstantes recedere, quia missa est hostia: cui omnis laus, & honor, benedictio, & gloria: ad quam de hoc exilio transire festinandum est celeri cursu, sanctoque mentis recessu. Ea enim ad reconciliationem nostram sufficiens legatio mittitur. […] Aliter Micrologus de ecccles. Observatio. c. 20. Hos etiam, inquit, post ultimum convivium, ab eis discessurus in cœlum benedixit, sicut & Sacerdos populum cum oratione post communionem benedicit videlicet jam citò discessurus ab eo, qui tamen prius, ut ipse discedat per, ite, Missa est, denunciat, in figuram Angelorum, qui Discipulis, discedente Domino ab eis dixerant: Viri Galilei, quid statis, & reliqua: Quo audito, Discipuli adorantes Dominum, reversi sunt in Hierusalem cum gaudio magno, sicut & populus relata Deo gratiarum actione, ad propria cum gaudio revertitur, vel, Missa est, id est perfecta, & finita pro nobis oblatio.


Dazu Amalar von Metz in seinem Liber Officialis im 3. Buch, 36. Kapitel: Dann wendet er [der Zelebrant] sich wieder nach Osten, um sich der Himmelfahrt des Herrn zu befehlen, und der Diakon sagt: Ite Missa est. Jede einzelne Messe ist nämlich eine Entsendung Christi, der die Rechtfertigung durch sein Leiden bei sich trägt, um unseres Heiles willen zum Vater. Und weiter: Wenn der Diacon Ite Missa est singt, dann soll unser Geist nach jener Heimat streben, in die uns unser Haupt vorausgegangen ist. Damit wir in unsrem Sehnen dort seien, wo derjenige, den alle Völker erseht haben, uns in seinem Sieg erwartet. Stephan v. Balgiaco schreibt in De Sacramento Altaris im 18. Kapitel: Der Gruß Ite Missa est ermahnt die Umstehenden einzukehren. Denn die Messe ist ein Opfer, dem alles Lob, alle Ehre, aller Segen und aller Ruhm gebühren. Und wir sollen uns beeilen, in schnellem Lauf aus dieser Verbannung zu ihm [diesem Opfer] zu gelangen, und zwar durch heilige Einkehr des Geistes. Dieses [Opfer] wird nämlich als angemessener Preis für unsere Rechtfertigung dargebracht. […] Und im Micrologus de Ecclesisticis Observationibus im 20. Kapitel: Er [Christus] hat diese [die Apostel] nämlich nach dem letzten gemeinsamen Mahl gesegnet, bevor er in den Himmel fortging, so wie auch der Priester das Volk nach dem Gebet nach der Kommunion segnet, weil auch er offenbar schon bald von ihm [dem Volk] fortgehen wird. Daß er [der Priester] eher als es [das Volk] selbst fortgehen wird, verkündet er mit dem Ite, Missa est, ganz wie die Engel, als der Herr von ihnen fortging, zu den Aposteln gesagt haben: Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr da usw. Nachdem sie das gehört hatten, beteten die Jünger den Herrn an und gingen mit großer Freude nach Jerusalem zurück, wie auch das Volk, nachdem es seine Danksagung verrichtet hat, mit Freude zu seinen Geschäften zurückkehrt, denn die Messe ist das vollkommene und vollendete Opfer für uns.


Aus: Jean Étienne DURANT: Libri tres de ritibus Ecclesiæ Catholicæ, neueste Auflage, Leiden 1675, 431. Übers. d. Verf.

Über die Römische Liturgie und den Frieden

Eine Analyse von Anton Baumstark

Einen eigenartigen Eindruck macht im Römischen Brevier die Lesung der Makkabäerbücher mit dem kriegerischen Notgebet ihrer Responsorien und deren soldatischer Freude am Glänzen des Sonnenlichts auf goldenen Schilden. Sie hätte ihre eindrucksvolle Stellung im Gefüge der biblischen Jahreslesung schwerlich behauptet, wenn nicht das Germanentum zum maßgeblichen Träger der Erhaltung und Verbreitung Römischer Liturgie geworden wäre. Nun steht sie da wie ein von stolzen Wikingertagen erzählender ragender Fels und zeugt laut gegen alle, die den männlichen Geist der Kirche mit Weltfriedensprogrammen müder Schwäche verwechseln möchten.

Aus: Anton BAUMSTARK: Vom geschichtlichen Werden der Liturgie (Ecclesia Orans 10), Freiburg. i. Br. 1923, 86.

Inter vestíbulum et altáre plorábunt sacerdótes minístri Dómini, et dicent: Parce, Dómine, parce pópulo tuo: et ne claudas ora canéntium te, Dómine. - Zwischen Vorhof und Altar sollen weinen die Priester, die Diener des Herrn, und rufen: Verschone, o Herr, verschone Dein Volk und schließ nicht den Mund derer, die Dir lobsingen, o Herr. (Joel 2,17; Esth. 13,17)
Ut quidquid illa velamina in fulgore auri, in nitore gemmarum, et in multimodi operis varietate signabant, hoc in ejus [sc. quem ad Sacerdotii ministerum elegisti] moribus actibusque clarescat. - Was jene Hüllen im Glanz des Goldes, im Schimmer der Steine und in der bunten Schönheit der Arbeit versinnbildlichen, das strahle hell in seinen [den Du zum priesterlichen Dienst erwählt hast] Sitten und in seinem Tun. (Aus der Weiheräfation für die Bischofsweihe)
Ut episcopales [nec non presbyterales] functiones digniusque exerceri valeant, plures necessarii sunt ministri. - Damit die bischöflichen [und gewiß auch die priesterlichen] Liturgien würdig gefeiert werden können, sind mehrere Ministranten notwendig. Cær. Ep. lib. I, cap. xi, §1.

Præfatio Dom. V. post Theophaniam - Präfation für den 5. Sonntag nach Erscheinung

VD. æternæ Deus! Tibi istam immolationis hostiam offerre, quia est mira prorsus & ineffabilis divini gratia sacramenti, quæ offertur a plurimis, & unum Xpi corpus sancti Spiritus infusione perficitur; singuli accipiunt Xpm Dnm, & in singulis portionibus totus est. Nec per singulos minuitur, sed integrum se præbet in singulis; propterea ipsi qui sumimus communionem huius sancti panis & calicis, unum in Xpo corpus efficimur; per ipsius itaque maiestatem te suplices exoramus! Uti accepta habeas & benedicas hæc superimposita munera, per quæ nos ab omnibus emundes contagiis vetustatis, in in novitate vitæ perseverare concedas, per eundem Xpm. El. gg.

In Wahrheit ist es würdig und recht, billig und heilsam, Dir immer und überall dankzusagen, heiliger Herr, allmächtiger Vater, ewiger Gott! Dir diese Opfergabe darzubringen, denn wunderbar ist die Würde dieses ganz und gar unbeschreiblichen Sakramentes: Es wird von vielen dargebracht, aber nur ein heiliger Leib Christi wird durch die Ausgießung des heiligen Geistes bereitet; jeder einzelne empfängt Jesus Christus, und in jedem einzelnen Teil ist er ganz gegenwärtig. Er wird nämlich nicht durch jeden einzelnen vermindert, sondern er bietet sich in jedem einzelnen Teil unversehrt dar; daher werden auch wir selbst, wenn wir die Kommunion dieses heiligen Brotes und Kelches empfangen, ein Leib in Christus; Ob seiner Erhabenheit bitten wir Dich demütig! Nimm wohlgefällig an und segne diese dargebrachten Gaben, durch die Du uns von aller Verderbnis des alten Menschen reinigen und uns gewähren mögest, in neuem Leben zu verharren, durch Ihn unseren Herrn Jesus Christus. Durch ihn loben die Engel Deine Majestät, die Herrschaften beten sie an, die Mächte verehren sie Zitternd. Die Himmel und die himmlischen Kräfte und die seligen Seraphim feiern sie jubelnd im Chore. Mit ihnen laß, so flehen wir, auch uns einstimmen und voll Ehrfurcht bekennen:

Martin GERBERT: Monumenta verteris Liturgiæ Alemannicæ, Bd. 1: Quæ ad celebrationem Missæ pertinent, St. Blasien im Schwarzwald 1777 [Nachdruck: Hildesheim 1967], 28. (Übers d. Verf.)

Im Gedenken an den Besuch Seiner Eminenz Leo Raymond Kard. Burkes in Wien

Omnibus omnia factus sum, ut omnes facerem salvos. Omnia autem facio propter Evangelium: ut particeps eius efficiar. - Allen bin ich alles geworden, um auf jeden Fall einige zu retten. Alles aber tue ich um des Evangeliums willen, um an seiner Verheißung teilzuhaben. (1 Cor 22-23)

Iis, qui sine lege erant, tamquam sine lege essem (cum sine lege Dei non essem: sed in lege essem Christi) ut lucrifacerem eos qui sine lege erant. - Den Gesetzlosen war ich sozusagen ein Gesetzloser - nicht als ein Gesetzloser vor Gott, sondern gebunden an das Gesetz Christi -, um die Gesetzlosen zu gewinnen. (1 Cor 9,21)

Eine liturgische Kuriosität

Hier die Oration aus einer mittelalterlichen Seelenmesse für einen Verstorbenen, an dessen Seelenheil man zweifelt. Wieviele Gottesdienste für Verstorbene werden heute so gefeiert, als gäbe es diese Möglichkeit gar nicht? Dieses kurze Gebet vermittelt eine alternative Sichtweise:

Omnipotens & miserecors Deus! Inclina, qaesumus, venerabiles aures tuas ad exiguas preces nostras, quas ante conspectum Maiestatis tuae pro anima famuli tui N. fratris nostri humiliter fundimus:ut dum de qualitate vitae eius deffidimus, de abundantia pietatis tuae consolemur; & si ad plenum veniam animae ipsius obtinere non possumus, saltem vel inter ipsa tormenta, quae forsitan patitur, refrigerium de abundantia miserationum tuarum fortiatur. Per.

Allmächtiger und barmherziger Gott! Neige, wir bitten Dich, Deine ehrwürdigen Ohren unseren unbedeutenden Gebeten, die wir vor dem Angesicht Deiner Majestät für die Seele Deines Dieners, unseres Bruders N. demütig verrichten, damit wir, wenn wir auch über seinen Lebenswandel verzweifeln, vom Reichtum Deiner Güte getröstet werden; und wenn wir für seine Seele die Gnade der Vollendung nicht erlangen können, so möge ihm inmitten der Qualen, die er vielleicht leidet, der Trost Deiner reichen Barmherizigkeit zuteil werden. Durch unseren Herrn.

Aus: Martin GERBERT: Monumenta verteris Liturgiæ Alemannicæ, Bd. 1: Quæ ad celebrationem Missæ pertinent, St. Blasien im Schwarzwald 1777 [Nachdruck: Hildesheim 1967], 329. (Übers. d. Verf.)

Hymnus zu Ehren der Gottesmutter

Достойно єсть яко воістинну блажити Тя Богородицу, присноблаженную і пренепорочную Матер Бога нашего. Чеснійшую херувим, і славнійшую без сравненія серафим без істлінія Бога слово рождшую сущую Богородицу Тя величаєм.
In Wahrheit ist es recht, dich zu besingen, Gottesgebärerein, allezeit hochselige und unbefleckte Mutter unseres Herrn. Die du ehrwürdiger bist als die Cherubim und unvergleichlich herrlicher als die Seraphim, die du unversehrt das Wort Gottes geboren hast, dich, die du wahrhaft Gottesgebärerin bist, dich lobpreisen wir.
(Aus: Die Göttliche Liturgie – Божественна Літургія. Unseres heiligen Vaters Johannes Chrysostomus. Noten für den Volksgesang nach der Tradition der griechisch-katholischen Ukrainer von St. Barbara zu Wien, zweite, verbesserte Auflage, o. O. 2016, 82-87.)

Patina pro Communione fidelium oportet retineatur, ad vitandum periculum ut hostia sacra vel quoddam eius fragmentum cadat. - Es ist notwendig, die kleine Patene für die Kommunion der Gläubigen beizuhalten, um die Gefahr zu vermeiden, daß die heilige Hostie oder einzelne Fragmente auf den Boden fallen. (Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung: Instruktion Redemtionis Sacramentum. Über einige Dinge bezüglich der heiligsten Eucharistie, die einzuhalten und zu vermeiden sind. 25. März 2004, Nr. 93.)
"Das christliche Volk hat Maria immer mit einer ihr allein vorbehaltenen Liebe geliebt, und es war keine gute Stunde, als Christen glaubten, um der Ehre des Sohnes willen die uralte Verbundenheit mit seiner Mutter lösen zu sollen." Romano GUARDINI: Der Rosenkranz Unserer Lieben Frau, 7. Aufl., Würzburg 1967, 27f.

Oratio pro Reductione Hæreticorum - Gebet um die Bekehrung der Irrlehrer

Virgo potens, quæ cunctas hæreses sola interemísti in univérso mundo, orbem christiánum a láqueis diáboli líbera et réspice ad ánimas diabólica fraude decéptas, ut, omni hærética pravitáte depósita, errántium corda respíciant, et ad veritátis cathólicæ rédeant unitatem, te intercedénte ad Dóminum nostrum Jesum Christum, filium tuum, qui vivit et regnat cum Deo Patre in unitáte Spíritus Sancti, Deus per ómnia sæcula sæculórum. Amen.

Mächtige Jungfrau, Du alleine hast alle Irrlehren auf der ganzen Welt besiegt: Befreie den christlichen Erdkreis von allen Fallen des Teufels, und siehe auf die Seelen, die von der List des Teufels getäuscht wurden, damit sie alle heretische Verkehrtheit ablegen, ihr irrendes Herz erkennen und, auf Deine Fürsprache, zur Einheit im catholische Glauben zurückkehren, zu unserem Herrn Jesus Christus, Deinem Sohn, der in der Einheit mit Gott dem Vater und dem Heiligen Geist, als Gott lebt und herrscht von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

(Aus: Ludwig Soengen (Hg.): Promtuarium Sacerdotis, 8. Aufl., bearb. v. B. Wilhelm, Kevelar 1934, 125. Übers. d. Verf.)

Martin Mosebach über die Liturgiereform Papst Pauls VI.

Ein hingegebenes Studium, eine Meditation des Details, vor allem des überflüssig erscheinenden Details, führt schon bei der Betrachtung eines profanen Kunstwerks häufig genug dazu, daß die Stelle, die eben noch Anstoß erregte, unversehens sich mit Leben füllt, und zum Schluß womöglich als eine besondere Qalität des Werkes erscheint, das sie eben noch zu stören schien. Bei den Riten der heiligen Liturgie ist dies aber immer so. [...] Ich möchte jeden zu dem Versuch ermuntern, sich einen Teil des Ritus vorzunehmen - man wähle vor allem unter denen, die die Reform Papst Pauls VI. der Warnung des Konzils von Trient zum Trotz als überflüssig und unnütz angesehen hat - und seine Bedeutung und bildliche Erscheinung zu erforschen - man wird das Konzil von Trient glänzend gerechtfertigt finden. (Martin MOSEBACH: Häresie der Formlosigkeit. Die römische Liturgie und ihr Feind, 2. Aufl., München 2007, 112f.)

Eine Theologie der sakralen Kunstgeschichte

Nach Ernst Hans Gombrich

"Der Gedanke kam aus Nordfrankreich, und das ganze Prinzip des gotischen Stils war darin enthalten. Zuerst mochte es scheinen, als ob es sich einfach um eine technische Erfindung handelte, aber in seinen Auswirkungen erwies es sich doch als wesentlich mehr. Es war die Entdeckung, dass die Methode, eine Kirche mittels kreuzweiser Gurte oder Rippen einzuwölben, noch viel konsequenter und zielbewusster durchgeführt werden konnte, als es sich die romanischen Architekten hatten träumen lassen. [...] So waren die Rundbögen des romanischen Stils für die Zwecke der gotischen Baumeister ungeeignet. [...] In diesem Fall ist es das Beste, überhaupt keinen runden Bogen zu wählen, sondern zwei Kreissegmente aneinander zu lehnen. Das ist der Grundgedanke des Spitzbogens. Sein Vorteil liegt darin, dass man ihn je nach den Bedürfnissen des Bauplans flacher oder steiler gestalten kann. [...] In den älteren [romanischen] Kirchen mit ihrer drohenden Kraft lebt etwas von dem Glauben an die streitbare Kirche, die Schutz gegen die Anfeindungen des Bösen bietet. Die neuen [gotischen] Kathedralen geben den Gläubigen die Ahnung einer anderen Welt. Sie hatten in Predigten und Kirchenliedern vom 'himmlischen Jerusalem' gehört, mit seinen Toren aus Perlen, seinem kostbaren Edelgestein, seinen Gassen aus lauterem Gold und durchscheinendem Glas (Offenbarung des Johannes, 21, 21). Jetzt hatte sich diese Vision vom Himmel auf die Erde herabgesenkt."[1]

In Übereinstimmung mit diesen Überlegungen hat Ernst Hans Gombrich das Kapitel über das 12. Jahrhundert seiner Kunstgeschichte mit "Die streitbare Kirche", das über das 13. Jahrhundert mit "Die triumphierende Kirche" überschrieben. Es erscheint daher m. E. konsequent, die zeitgenössische Kirchenarchitektur unter der Überschrift "Die leidende Kirche" zu behandeln.


[1] Ernst Hans Gombrich: Die Geschichte der Kunst, 16. Aufl., Berlin 1996, 185-189.

Eine passende Segensformel zum Gebrauche durch S. Em. Leo Raymond Kard. Burke

Omnipotens Deus sua vos clementia benedicat, & sensus in vobis sapientiæ salutaris infundat. Amen. / Catholicæ fidei vos documentis enutriat, & suis operibus perseverabiles reddat. A. / Gressus vestros ab errore convertat, & viam vobis caritatis (&) pacis ostendat. A.

Der allmächtige Gott segne euch mit seiner Sanftmut und gieße in euch das Verständnis der heilbringenden Weisheit ein. Amen. / Er nähre euch mit den Zeugnissen des katholischen Glaubens und mache euch durch seine Werke standhaft. A. / Er wende eure Schritte vom Irrtum ab und zeige euch den Weg der Liebe und des Friedens. A.

Ein bischöflicher Segen für alle Tage des Jahres, aus: Martin GERBERT: Monumenta verteris Liturgiæ Alemannicæ, Bd. 1: Quæ ad celebrationem Missæ pertinent, St. Blasien im Schwarzwald 1777 [Nachdruck: Hildesheim 1967], 342. (Übers. d. Verf.)

Vox in Rama audita est, ploratus et ululatus: Rachel plorans filios suos, et noluit consolari, quia non sunt. - Ein Rufen hört man zu Rama, ein Weinen und Wehgeschrei: Rachel beweint ihre Kinder und läßt sich nicht trösten, denn sie sind nicht mehr. (Matth. 2,18 - Communio am Fest der hll. Unschuldigen Kinder)
Paraclitus Spiritus veritatis de caelis venit, ad terras descendit, gratiae plenitudo apparuit in apostolis; haec dies sollemnis erat, in qua Spiritus Sanctus Deum se esse declarat, sicut Filius Dei surgens a mortuis Dominum se confirmat: exsultemus et iucundemur in eo, qui vera salus est mundi. - Der Tröster, der Geist der Wahrheit, kommt vom Himmel und steigt herab auf die Erde. Die Fülle der Gnade erschien in den Aposteln. Dieser Tag war der Festtag, an welchem der Heilige Geist sich als Gott erweist. Wie der Sohn Gottes, auferstanden von den Toten, sich als Herr erzeigt: Lasst uns frohlocken und seiner uns freuen, der das wahre Heil der Welt ist. [Paris, Bibliothèque nationale de France lat. 12584 - St-Maur-les-Fossés.]
Es genügt also nicht, die Transzendenz Gottes, die Existenz eines Absoluten, einen Bezugspunkt der Werte anzuerkennen. Der kritische Punkt ist die Inkarnation, der Moment, in dem der transzendente Gott in die Geschichte und in unser Leben eintritt. Dann steht der Mensch vor einer Weggabelung, vor der Entscheidung, zu akzeptieren oder nicht, daß das Wort Mensch geworden ist und so zur Forderung, Verheißung und zum Ansporn für ihn wird. Aus: MARTINI, Carlo Maria: Stephanus. Mit dem Leben Gott bezeugen, Übersetzung aus dem Italienischen von Stefan Liesenfeld, München u. a. 1990 [italienisch: Stefano. servitore e testimone, Mailand 1988] 53.
Unde et memores, Domine, nos servi tui, sed et plebs tua sancta, ejusdem Christi Filii tui, Domini nostri, tam beatæ passionis, necnon et ab inferis resurrectionis, sed et in cælos gloriosæ ascensionis. - Daher sind wir denn eingedenk, Herr, wir Deine Diener, aber auch Dein heiliges Volk, des heilbringenden Leidens, der Auferstehung von den Toten und der glorreichen Himmelfahrt.
Nicht nur historisches Interesse, sondern auch das Bestreben nach Erneuerung des Gottesdienstes, nach Anpassung an veränderte Zeiten, bewegte die Liturgiker der Aufklärungsepoche. Bei aller positiven Bewertung der berechtigten Anliegen jener Epoche kann man von den generellen (kirchen- oder gar glaubensfeindlichen) Strömungen der Aufklärung nicht absehen. Dies zeigt sich am Beispiel der Synode von Pistoia, deren Forderungen auf den ersten Blick an das in der Liturgiereform des 2. Vatikanums Erreichte erinnern. Aus: Kunzler Michael: Theologie betreiben - Glaube ins Gespräch bringen: Die Fächer der katholischen Theologie stellen sich vor. Liturgiewissenschaft, Paderborn 2001, 29f.
"Endlich ist noch in den kirchlichen Trauerzeiten, nämlich in der Advent- und Fastenzeit, sowie bei der Gedächtnisfeier für die Verstorbenen seit der Spätzeit des Mittelalters bei Meßgewändern und den übrigen liturgischen Ornaten die violette und schwarze Farbe allgemein in Geltung gekommen. Neben der violetten und schwarzen Farbe, den Merkzeichen der kirchlichen Trauer, kömmt auch vielfach im Mittelalter die dunkelblaue Farbe in Anwendung [...]." BOCK, Franz Johann Joseph: Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters. Oder Entstehung und Entwicklung der kirchlichen Ornate und Paramente in Rücksicht auf Stoff, Gewebe, Farbe, Zeichnung, Schnitt und rituelle Bedeutung nachgewiesen und durch zahlreiche Abbildungen erläutert, 2. Band, Bonn 1866, 252.

Der hl. Basilius d. Gr. über das Fasten und das Paradies

Ieiunio purga te Deo: immo vita, quæ in pasadiso agitur, ieiunij imago est, non solum quia cum homo Angelorum ritu tunc eo loci viueret, paucis contentus, ad eorum similitudinem adspirabat: verum etiam quia, quæcumque postea hominum industria excogitauit, ab ijs, qui in paradiso viuebant, nondum inuenta erat: nondum vini potus, nondum pecudum mactationes, nondum res vlla alia, quæ hominis mentem, animumq. perturbat. Ubi ieiuniare destitimus, paradiso excidimus: ieiunemus ergo, vt eo quasi postliminio reuertamur.

Durch Fasten reinige Dich für Gott: ja, selbst das Leben, das man im Paradies führt, gleicht dem Fasten. Nicht nur weil - da der Mensch damals eben an diesem Ort wie die Engel lebte - er mit Wenigem zufrieden war und danach strebte, ihnen [den Engeln] ähnlich zu sein. Sondern auch, weil alles, was das menschliche Schaffen später ersonnen hat, denen, die im Paradies lebten, noch nicht bekannt war: Es gab noch keinen Wein zum Trinken, kein Vieh zum Schlachten, oder sonst irgendetwas, das den Geist oder die Seele des Menschen durcheinanderbringt. Wo wir also das Fasten vernachlässigt haben, haben wir das Paradies verlassen. Fasten wir also, damit wir dorthin gleichsam mit einem Heimkehrrecht ausgestattet, zurückkehren können. (Basilius d. Großen: Zweite Predigt über das Fasten, übersetzt v. Pietro Galesini, Rom 1588, 4. Übers. d. Verf.)

Ignosce mihi, patere ut in hac via me tibi comitem adiungam. Tu, amore mei ductus, pergis ad locum ubi pro me moriturus es, et ego vicissim, tui amore ductus, desidero te comitari, ut una tecum, amantissime Redemptor, moriar. O Iesu, volo coniunctim tecum et vivere et mori. - Vergib mir und gewähre, daß ich mich Dir auf diesem Weg als Begleiter anschließe. Du ziehst, aus Liebe zu mir, an den Ort, an dem Du für mich sterben wirst. Ich hinwiederum wünsche, aus Liebe zu Dir, Dich zu begleiten, allein um mit Dir, mein geliebter Erlöser, zu sterben. Jesus, ich will mit Dir verbunden sein, sowohl im Leben, als auch im Tode. (Aus dem Kreuzweg des hl. Alfons Maria von Liguori.)
Fili, quid fecisti nobis sic? ego et pater tuus dolentes quaerebamus te. Et quid est, quod me quaerebatis? nesciebatis, quia in his, quae Patris mei sunt, oportet me esse? - «Kind, warum hast Du uns das getan? Ich und Dein Vater haben Dich mit Schmerzen gesucht.» «Warum habt ihr mich gesucht? Wußtet ihr nicht, daß ich in dem sein muß, was meines Vaters ist?» (Lk 2,48 f.)
Leo Papa primus serm. 3. de Epiphania. Quamvis, inquit, sciam, dilectissimi, qoòd sanctitatem vestrã hodiernæ festivitatis causa non lateat, eámque secundùm consuetudinem Evangelicus vobis sermo reseravit; & sermo 5. Cujus facti memoriam placuit honore annuo celebrari, ut dum Evangelica historia incessanter recensetur, semper se intelligentium sensibus inserat salutiferum mysterium per insigne miraculum. - Papst Leo d. Gr. sagt in seiner 3. Predigt über die Erscheinung des Herrn: Obwohl ich weiß, meine Lieben, daß eure Frömmigkeit wegen des heutigen Festes nicht verborgen bleibt, wird sie durch das Wort des Evangeliums, das der Gewohnheit gemäß gelesen wird, entfesselt; und in der 5. Predigt: Es ist recht das Andenken an dieses Ereignis alljährlich feierlich zu begehen, wenn nämlich die Geschichte des Evangeliums fortlaufend erzählt wird, dann prägt sich dem Verstand der Zuhörer das Geheimnis unseres Heils durch das sinnfällige Wunder immer stärker ein. (DURANT, Jean Étienne: Libri tres de ritibus Ecclesiæ Catholicæ, neueste Auflage, Leiden 1675, 246 f. Übers. d. Verf.)
Deus, qui humanæ substantiæ dignitatem mirabiliter condidisti, et mirabilius reformasti: da nobis per hujus aquæ et vini mysterium, ejus divinitatis esse consortes, qui humanitatis nostræ fieri dignatus est particeps, Jesus Christus, Filius tuus, Dominus noster: Qui tecum vivit et regnat in unitate Spiritus Sancti Deus: per omniasæcula sæculorum. Amen. - Gott, Du hast den Menschen in seiner Würde wunderbar erschaffen und noch wunderbarer erneuert; laß uns durch das Geheimnis dieses Wassers und Weines teilnehmen an der Gottheit Dessen, der Sich herabgelassen hat, unsere Menschennatur anzunehmen, Jesus Christus, Dein Sohn, unser Herr: der mit Dir lebt und herrscht in der Einheit des heiligen Geistes, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

Über den Gebrauch des Faldistoriums

Faldistorium quoque, si eo utendum erit pro sessione Episcopi celebrantis, parum distans ab infimo gradu altaris, a latere Epistolæ collocandum est, … Regulariter autem faldistorium huiusmodi ponitur in plano, seu pavimento prebyterii, quod totum usque ad infimum gradum altaris convenienter deberet pannis viridibus contegi. (lib. I, cap. xii, §10.) Sed si altare habet plures gradus, ita ut faldistorium in pavimento positum remaneret nimis dpressum, posset ei supponi aliquod suggestum seu tabulatum æqualis altitudinis a terra cum infimo gardu altaris. (§11.)

Wenn sich der zelebrierende Bischof zum Sitzen des Faldistoriums bedienen möchte, dann wird es unweit von der untersten Altarstufe auf der Epistelseite aufgestellt, … Normalerweise wird das Faldistorium in der Ebene, also auf dem Boden des Presbyteriums aufgestellt, der dann bis zur untersten Altarstufe mit einem passenden grünen Teppich bedeckt werden muß. (1. Buch, 12. Kapitel, §10.) Wenn der Altar mehrere Stufen hat, so daß das Faldistorium sehr niedrig wirkt, wenn es auf dem Boden steht, kann ihm eine Unterlage oder ein Bretterboden von der selben Höhe, wie die unterste Altarstufe, unterstellt werden. (§11.)

A latere Epistolæ collocandum est [sc. Faldistorium], ita ut Episcopus celebrans, in eo sedens, habeat ad dexteran suam altare, respicians eamdem partem, quam ipsa anterior facies altaris respicit. (lib. I, cap. xii, §10.) Quia celebrans, in faldistorio sedens, habet faciem suam versus populum, cum surgit, … volvit se per latus sinistrum, … et legit quæ sunt legenda ex libro. (lib. I, cap. xix, §4.)

Es [gemeint ist das Faldistorium] wird auf der Epistelseite aufgestellt, so daß der zelebrierende Bischof, wenn er darauf sitzt, den Altar zu seiner Rechten hat und in die selbe Richtung blickt, wie die Vorderseite des Altares. (1. Buch, 12. Kapitel, §10.) Weil der Zelebrant, der auf dem Faldistorium sitzt, dem Volk zugewandt ist, wendet er sich, wenn er sich erhebt, über seine linke Seite um … und liest, was aus dem Buch zu lesen ist. (1. Buch, 19. Kapitel, §4.)

Aus: Caeremoniale Episcoporum, Clementis VIII, Innocentii X et Benedicti XIII iussu editum, Benedicti XIV et Leonis XIII auctoritate recognitum, Editio typica, Rom 1886 [Nachdruck 1948] Übers. d. Verf.

Eine Mahnung an die Bischöfe von Innozenz III.

Mitra verò duo habet cornua, quæ ut aiunt Innoc. III c. 60. Antonius 3. part. summae, tit 20. cap. 2. §. 9. de Turrecremata & Chardin. Praepos. in can. Disciplina, distinct. 45. scientiam utriusque Testamenti significant, duo enim cornua, duo sunt testamenta. Mitra ait Stephan. Eduens. lib. de sacramento altaris ca. 11. quæ corniculata praetendit coronam spineam, per quam ad unam fidem convenerunt duo Testamenta: illa graviter pungens, nostra suaviter demulcens. [...] * Amplius in Mitra, circulus aureus qui anteriorem partem complectitur, indicat, auctore Innocent. d. c. 60. quod omnis scriba doctus in regno cœlorum de thesauro suo nova profert, & vetera. Caveat ergò ait Innocent. diligenter Episcopus, ne prius velit esse Magister quàm norit esse discipulos, ne si caecus caecum duxerit, ambo in foveam cadant: scriptum est enim. Quia tu scientiam repulisti, ego te repellam ne sacerdotio fungaris mihi.

Die Mitra aber hat zwei Hörner, die, wie Innozenz III. und andere Autoren sagen, die Weisheit beider Testamente bezeichnen, es sind nämlich zwei Hörner und es gibt zwei Testamente. Die Mitra sagt Stephanus de Balgiaco stellt die mit Hörnern versehene Dornenkrone dar, durch die die beiden Testamente zu einem Glauben werden. Jene [Krone] grausam stechend, unsere aber sanft streichenlnd. [...] Darüber hinaus zeigt der goldene Reif, der die Mitra an ihrem unteren Ende ganz umschließt, wie Innozenz III. sagt, daß jeder Schriftgelehrte Altes und Neues über den Schatz im Himmelreich lehrt: Es hüte sich also der Bischof sorgfälltig, so Innozenz, Lehrer sein zu wollen, ehe er es verstanden hat, Schüler zu sein, damit nicht der Blinde den Blinden führt, und beide in die Grube stürzen: Es steht nämlich geschrieben, weil Du die Weisheit von Dir gewiesen hast, habe ich dich verstoßen, damit du mein Priestertum nicht mehr verwaltest.

Durant, Jean Étienne: Libri tres de ritibus Ecclesiæ Catholicæ, neueste Auflage, Leiden 1675, 202 f. Übers. d. Verf.

Der heilige Gregor von Nazianz über den Frieden

* Sanè non omnis pax amanda est. Nam auctore Gregorio Nazianzeno orat. 1. de pace, ut optima quædam dissensio, ita perniciosa est quandoque concordia. Pax amanda, quæ bona est, bonique causa innititur, nosque Deo conjungit. Et postea. Melior est contentio, pietatis causa suscepta, qàm turpis & vitiosa concordia: & alibi, orat. ad centum quinquaginta Episcopos. Non est paci studendum, cum veræ atque orthodoxæ fidei pernicie.

Richtiger Weise darf nicht jeder Friede geliebt werden. Gregor von Nazianz sagt in seiner ersten Rede über den Frieden, daß der Streit das beste ist, wenn das Einvernehmen verderblich wäre. Der Friede muß geliebt werden, der gut ist, sich auf den Grund des Guten stützt und uns mit Gott verbindet. Und weiter: Ein Kampf, den man aus Frömmigkeit auf sich nimmt, ist besser als ein schändlicher und lasterhafter Frieden. Und an anderer Stelle in der Rede an die hundertfünfzig Bischöfe: Man darf nicht nach einem Frieden streben, der den Untergang des wahren und rechten Glaubens bringt.

Durant, Jean Étienne: Libri tres de ritibus Ecclesiæ Catholicæ, neueste Auflage, Leiden 1675, 408. Übers. d. Verf.

Et dignare potenti manu tua nobis impertiri immaculatum corpus et pretiosum sanguinem tuum. Attendamus. Sancta sanctis. Unus sanctus, unus Dominus Jesus Christus, in gloriam Dei Patris. Amen. Cum timore Dei, et dilectione accedite. - Mache uns würdig, aus Deiner mächtigen Hand Deinen allerreinsten Leib und Dein kostbarstes Blut zu empfangen. Haben wir acht. Das Heilige den Heiligen. Einer ist heilig, einer der Herr, Jesus Christus zur Ehre Gottes des Vaters. Amen. Mit Gottesfurcht und Glauben tretet hinzu. (Liturgie unseres heiligen Vaters Johannes Chrysostomus, ins Lateinische überstzt von Erasmus von Rotterdam, PG 63. Übers d. Verf.)

Martin Mosebach über die zeitgenössische Kunst

„Formen sind ... fast etwas Beliebiges geworden, und manchmal sogar Schlimmeres - sie sind unwahr, sie sind verlogen. Wer die Form wahrnimmt und ernst nimmt, schwebt bereits in der Gefahr, gleichfalls verlogen zu sein. Er ist der Ästhetizist. [...] Aus diesem denkerischen Aufstand gegen das Offensichtliche ist die Grundstimmung unseres Zeitalters geboren worden: ein die ganze Öffentlichkeit erfüllendes Mißtrauen gegen jede Art von Schönheit und Vollkommenheit. Etwas sei »nur schön« - das ist heute die schärfstmögliche Verurteilung. In der Kunst wird das Unfertige das Fragmentarische, das Zerbrochene begünstigt. [...] Am erregendsten ist es für den zeitgenössischen Kunstfreund, wenn gar nichts irgendwie Sichtbares geboten wird, nur noch ein paar verhuschte Zeichen, kryptische Spuren. Den neuen Schriftgelehrten dienen sie zu Auslegungsexzessen, die umso wortreicher ausfallen, desto weniger zu sehen ist."
MOSEBACH, Martin: Häresie der Formlosigkeit. Die römische Liturgie und ihr Feind, 2. Aufl., München 2007, 101 f.

Zum Fest der Erhöhung des heiligen Kreuzes

Salve, ara, salve, victima,
De passionis gloria,
Qua vita mortem pertulit
Et morte vitam reddidit.

Sei gegrüßt, Altar, sei gegrüßt, Opfer,
aus dem Ruhm des Leidens,
in dem das Leben den Tod ertrug
und durch den Tod das Leben wieder gewann.

(Venantius Fortunatus)

Überreicht er [der Minister de Baculo] dem Ep[iscopus]. den Stab, so küßt er ihn zuvor, genuflektiert, erhebt sich aber sofort und küßt die Hand des Ep., wenn dieser den Stab umfaßt hat; hierauf wiederholt er die Genuflexion und geht auf seine vorgesehenen Stelle zurück. (HARTMANN, Philipp: Repertorium Rituum. Zusammenstellung für die rituellen Vorschriften für die bischöflichen und priesterlichen Funktionen, vierzehnte, vollständig umgearbeitete Auflage besorgt von Johannes Kley, Paderborn 1940, 580.)

Wider die persönlich-dialogische und für die dogmatisch-belehrende Predigt

Ein Argument von Romano Guardini

"Das sind die beiden Polrichtungen des Ausdrucksverhaltens und damit aller Kultur: die subjektiv und die objektiv gerichtete." (S. 96.) "Will das Ich also ein Erlebnis aussprechen, so geht es nicht um die Sonderfarbe des »Wie«, sondern um die inhaltliche Bestimmtheit des »Was«. Dem Was ist seine Ledenschaft zugewandt, die bei aller Glut etwas Herbes, ja Hartes hat." (S. 92.) "... meinte er ..., daß dieses sein persönliches Erleben, weil und so fern es das Seinige ist, für Andere Bedeutung haben müsse, dann wäre das unerträgliche Anmaßung." (S. 90.) Aus: GUARDINI, Romano: Liturgie und liturgische Bildung, erste (Gesamt-Buch-)Auflage, Würzburg 1966.

Über die Bedeutung des Weihrauches

Porrò thurificatio fit primùm ad reverentiam loci, & divini officij, ut si fuerit in loco odoris fœditas, thure incenso depellatur, & qui adsunt, odoribus lætis mulceantur. Deinde ad repræsentandum effectum gratiæ, quâ sicut bono odore Christus plenus fuit, juxta illud Genes. 37. Ecce odor filij mei, sicut odor agri pleni, & à Christo derivatur ad fideles officio ministrorum. 2. Cor. 2. odorem notitiæ suæ spargit, per nos in omni loco, & ideò undique thurificatio altaris, per quod Christus designatur; thurificantur omnes per ordinem.

Also dient die Beweihräucherung zuerst der Würde des Ortes und des Gottesdienstes, damit, wenn ein schlechter Geruch an dem Ort wäre, er durch den verbrannten Weihrauch vertrieben, und die Anwesenden durch den angenehmen Geruch besänftigt werden. Dann um das Wirken der Gnade darzustellen, von der Christus gleichsam wie von Wohlgeruch erfüllt war, gemäß diesem Schriftwort: Genesis 37. Ja, mein Sohn duftet wie das Feld. Und von Christus wird sie durch das Amt seiner Diener den Glaubigen vermittelt. 2. Korintherbrief 2: Und durch uns [hat er] den Duft der Erkenntnis Christi an allen Orten verbreitet. Und deshalb wird der Altar von allen Seiten beräuchert, und dadurch Christus bezeichnet; deshalb werden der Reihe nach alle Anwesenden beräuchert. (DURANT, Jean Étienne: Libri tres de ritibus Ecclesiæ Catholicæ, neueste Auflage, Leiden 1675, 43.)

Ego sum panis vitæ: qui veniet ad me, non esuriet: et qui credit in me, non sitiet umquam. - Ich bin das Brot des Lebens; wer zu mir kommt, wird nie mehr hungern, und wer an mich glaubt, wird nie mehr Durst haben. Io 6,35.
Amen quippe dico vobis, quia multi prophetæ, et iusti cupierunt videre quae videtis, et non viderunt: et audire quae auditis, et non audierunt. - Amen, ich sage euch: Viele Propheten und Gerechte haben sich danach gesehnt zu sehen, was ihr seht, und haben es nicht gesehen, und zu hören, was ihr hört, und haben es nicht gehört. Mt 13,17
Placare, Domine, per hoc incensum mihi & populo tuo, parcens peccatis nostris, & quiescat ira & furor tuus: præsta propitius, ut bonus odor simus tibi in vitam æternam. Amen. - Sei versöhnt, Herr, durch diesen Weihrauch mit mir und mit Deinem Volke, beachte unsere Sünden nicht, es lege sich Dein Zorn und Deine Wut: Gewähre gnädig, daß wir Dir ein Wohlgeruch seien zum ewigen Leben. Amen. (Aus dem alten Toletanischen Missale, zitiert nach: MARTÈNE, Edmond: De antiquis Ecclesiæ ritibus libri, 1. Bd.: 2. Aufl., Antwerpen 1736, 480. Übers. d. Verf.)